Für den eiligen Leser: geht es jetzt weiter ... ?

Lieber Sternfreund, Lieber Naturfreund,

es ist unendlich schade, dass es diese Internetseite gibt. Hätte die Firma BLANCO nicht allen Sternfreunden der Region den Krieg erklärt, hätte ich diese Zeilen nie geschrieben - nie schreiben müssen.

Wir freuen uns, dass Sie diese Seite aufgerufen haben - und obwohl diese Seite viel Text enthält, möchten wir Sie ermutigen weiter zu lesen.
Schreiben Sie uns doch abschließend ein Statement in unser
Gästebuch - danke schön.

Das Dunkel der Nacht

Es gibt astronomische Objekte, die man am Tag beobachten kann. Allen voran ist hier natürlich die Sonne zu nennen. Die allermeisten kosmischen Objekte treten jedoch erst in der Dunkelheit der Nacht hervor. Dann ist die Stunde gekommen, wo wir mit unseren Fernrohren Objekte wie Sterne, Doppelsterne, Offene Sternhaufen, Kugelsternhaufen, Gasnebel, Galaxien, ... beobachten können. Wir freuen uns an der Verschiedenheit und der einmaligen Schönheit jedes einzelnen Objektes, dessen Licht jahrelang, jahrtausendelang, ja teilweise sogar jahrmillionenlang zu uns unterwegs war.

Oft sind die Objekte wegen ihrer unvorstellbar großen Entfernung von uns extrem lichtschwach, so dass sie sich uns erst unter einem wirklich dunklen Himmel offenbaren.

Nur noch die Generation der Älteren kann sich daran erinnern, als das Band der Milchstraße sich leuchtend über den ganzen HImmel, von Horizont zu Horizont, ersteckte. In unserer industrialisierten, zivilisierten Welt hat die Nacht nicht mehr den Stellenwert, den sie früher hatte. Regeneration, Ruhe und Entspannung sind der andauernden Action, dem grenzenlosen Entertainment, und leider auch der Lichtwerbung gewichen.

Dieser Umstand machte es den Sternfreunden gerade in der dicht besiedelten Rheinebene schon seit vielen Jahren schwer, ihr Hobby auszuüben. Doch auch andernorts ist die Zivilisation und damit das Licht auf dem Vormarsch, was die Großobservatorien in die entlegendsten Winkel der Erde zurück gedrängt hat.

Wir sind nicht technikfeindlich. Wir wollen niemandem den Spaß verderben und wir wollen auch keine Dunkelheit auf Kosten der Sicherheit. Was wir aber wollen ist ein Mindestmaß an gegenseitiger Rücksichtnahme. Und genau hier setzt der Grund dieser Seite an.

Nacht war gestern - heute ist BLANCO

Mit sprachlosem Entsetzen haben wir nach der Eröffnung des Standortes des Oberderdinger Unternehmens BLANCO in Bruchsal zur Kenntnis nehmen müssen, dass der Nachthimmel nie wieder dunkel sein würde. Mit einer Leistung von rund 40.000 Watt strahlen etwa 16.000 blaue LEDs an der Edelstahlfassade des Logistikzentrums entlang senkrecht in den Himmel. Myriarden von Staubteilchen Dampftröpfchen und Aerosole streuen die Lichtstrahlen und die Unterseite von Wolken, so sie vorhanden sind erstrahlen in tiefem Blau. Ein schrecklicher Lichtdom ungekannten Ausmaßes reckt sich wie ein drohender Finger kilometerweit in die Höhe und macht alle Versuche noch einigermaßen sinnvoll Astronomie zu betreiben zunichte.

Es dauerte etwas, bis uns klar wurde, dass dies keine vorübergehende Erscheinung ist, sondern die übelste aller Lichtverschmutzungen allabendlich nach Sonnenuntergang den Nachthimmel durchseucht und dies bis zum Sonnenaufgang tut.

Die Badischen Neuesten Nachrichten lobten diesen Lichthorror in einer Pressemeldung als nächtlichen Blickfang. Ein Blickfang ist es zweifellos - einer von dem uns schlecht wird.

Von Seiten der Firma BLANCO ertönen zudem Worthülsen, wie "Energie sparend". Was ist das für ein dummes Geschwätz. Was ist daran Energie sparend, wenn man in einer einzigen Nacht soviel elektrischen Strom für die Beleuchtung des Nachthimmels verbröt, wie eine 4-köpfige Familie in einem Monat verbraucht?

Und überhaupt - wie lässt sich dieser Wahnsinn mit den propagierten Umweltleitlinien des Unternehmens vereinbaren - ist das alles nur Blabla?

klicke auf das Bild oben, um zur Leitlinien-Seite von BLANCO zu gelangen.

Wir rufen alle Sternfreunde und Naturliebhaber auf, mit uns gemeinsam gegen die Rücksichtslosigkeit dieser Werbung vorzugehen. Der Nachthimmel gehört uns allen - wurden Sie gefragt, ob Ihnen das recht ist, was hier getrieben wird? Machen Sie einen Eintrag auf unserem Gästebuch. Wir werden jeden einzelnen Eintrag ausdrucken und den zu erwartenden Stapel der Geschäftsleitung von BLANCO übergeben.

Machen Sie mit! Unterstützen Sie unsere Bemühungen gegen diesen Wahnsinn!
Wir müssen gemeinsam den Anfängen erwehren. Wenn das Schule macht, dann ist dies nur der Anfang und noch leuchtkräftiger Lichtschleudern werden installiert, denn selbstverständlich will jeder der hellste sein
.

Die Grausigkeit des bruchsaler Lichtfingers versuche ich mit den nun folgenden Fotos von Sternfreunden aus der Region zu verdeutlichen.

 

Rolf Kaiser, Obergrombach
Montage aus 2 Fotos.
Das Bild stellt den visuellen Eindruck sehr gut dar.

 Rolf Kaiser, Obergrombach
Blick nach oben

Ist das nicht zum Heulen?

Michael Großmann, Kämpfelbach
Distanz ca. 20 km

Michael Großmann, Kämpfelbach
Distanz ca. 20 km 

Michael Großmann, Kämpfelbach
Distanz ca. 30 km
Aufnahmeort Schwanner Warte

 

 

Rolf Kaiser, Obergrombach
Aufnahmeort: seine Privatsternwarte
Blick nach Nordwesten

 

Rolf Kaiser, Obergrombach
Aufnahmeort: seine Privatsternwarte
Blick zum Zenit

 

Rolf Kaiser, Obergrombach
Vor Ort in Bruchsal, Blick nach oben

 

Rolf Kaiser, Obergrombach
Vor Ort in Bruchsal, Blick nach unten zum LED-Streifen

 rechts Ausschnittvergrößerung des Bildes darüber  

 

Wolfgang Stegmüller, Waghäusel
Der bruchsaler "Bunsenbrenner" oder BLANCO gegen den Sternenhimmel
Abstand ca. 20 km

 

Wolfgang Stegmüller, Waghäusel
BLANCO gegen die Wolkendecke
Abstand ca. 20 km

Samstag, der 2. August

Heute erschien folgender Artikel in den Badischen Neuesten Nachrichten BNN:

klicken Sie auf das Bild für eine größere Darstellung

Wir freuen uns, dass man uns und unser Anliegen wahrnimmt und über die Presse vielleicht noch mehr Menschen für das Thema Lichtverschmutzung sensibilisiert werden. Auch bei BLANCO scheint der andauernde Protest allmählich Wirkung zu zeigen. Nicht anders ist zu erklären, dass der geschäftsführende Gesellschafter Herr Straub sich etwas unklug äußert, indem er wohl auf meinen Hinweis in meinem Schreiben an BLANCO vom 29. Juli 2008 eingeht, wo ich die immense Energieverschwendung anprangere und äußert, dass sein Unternehmen der Öffentlichkeit keine Rechenschaft über den Energieverbrauch schuldet.

Das ist insofern erstaunlich - hat dochdas Unternehmen selbst damit angefangen, die "Energiesparmaßnahme LED-Beleuchtung" gegenüber der Presse herauszustellen. BLANCO hat sich öffentlich mit dem sparsamen Verbrauch gebrüstet und nun dieses etwas ünglücklich gewählte, fast arrogante wirkende Statement - die Nerven scheinen blanco zu liegen.

Wie ein Hohn mutet es indes an, wenn man sich von Seiten BLANCO dazu herablässt, den bruchsaler "Bunsenbrenner" von 0:30 Uhr bis 5:30 Uhr abzuschalten. Das ist zwar ein Teilerfolg für die Natur und die nachtaktiven Insekten, nicht aber im entferntesten akzeptabel für alle Sternfreunde. Mutet man uns tatsächlich zu, die Ausübung unseres wissenschaftlich wertvollen Hobbys in diese Stunden zu verlagern?

Eine Steilvorlage par excellence ist jedoch die Äußerung, die Beleuchtung sei natürlich eine Werbemaßnahme und man hat dabei das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Blick.
Der Nutzen ist aus unserer Sicht nahezu Null. Die Qualität der Erzeugnisse des Unternehmens spricht doch für sich - oder? Wer also ein BLANCO-Produkt erwirbt, tut dies sicher nicht wegen dieser Art von Werbung. Auf der Kostenseite steht jedoch neben den Anschaffungs- und Betriebskosten bereits jetzt ein erheblicher Image-Schaden. Und wir haben nicht vor Ruhe zu geben.

Mittwoch, 06. August 2008 - der Tag der Wende zum Besseren?

Der heutige Tag war in zweierlei Hinsicht interessant.

  • Der SWR>> (Südwest-Rundfunk) kontaktierte mich und bat um ein Interview, welches ich am Nachmiitag im Studio 3 des SWR>> Mannheim/Ludwigshafen gegeben habe. Es dauerte etwa 20 Minuten und stellt - denke ich - die Situation durch die Lichtverschmutzung in unserer Gegend insbesondere durch den Lichtdom der Fa. BLANCO für die Amateur-Astronomie recht gut dar. Nach dem Interview sind mir zwar noch viele weitere Aspekte eingefallen, die ich hätte erwähnen können - aber so ist das halt nun mal. Hören Sie das Interview als mp3 am Ende der Seite.
  • Am Nachmittag erhielt ich einen Anruf von Herrn Kohl - dem Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit in der Fa. BLANCO. Es war ein sehr konstruktives Gespräch in dessen Verlauf Herr Kohl zusicherte, dass die Firma BLANCO einsehe, dass Abhilfe Not tut. Man sei anfangs der Meinung gewesen, das Licht würde 10 - 20 Meter über das Gebäude hinausreichen. Ich informierte ihn über eine Höhenmessung mit trigonometrischem Ansatz, die ich gerade tags zuvor durchgeführt hatte. Demnach ist die Lichtsäule ohne optische Hilfsmittel - also rein visuell - bis in eine Höhe von rund 10.600 Meter zu sehen. Dies schien sogar ihn zu schockieren - glaubte er doch, der Lichtdom habe eine Höhe von rund 150 Metern.
    Er sicherte zu, dass über geeignete Abschirmmaßnahmen nachgedacht werde und vielleicht bereits in der nächsten Woche mit einer Detailplanung begonnen werden könne. Eine Umsetzung der Maßnahme werde jedoch sicherlich gewisse Zeit in Anspruch nehmen. In der Zwischenzeit bot er die Bereitschaft der Fa. BLANCO an, die Anlage an Abenden mit geplanten Beobachtungen durch unseren Verein abzuschalten - Anruf genügt.
    Dies scheint mir der Anfang einer Wende zum Besseren zu sein - Hoffnung keimt auf. Warten wir es ab.

Mittwoch, der 13. August, 18:15 Uhr. Der Durchbruch ist geschafft!

Ich hatte gerade eben ein mehr als erfreuliches Telefonat. Herr Kohl, Leiter der Abteilung "Öffentlichkeitsarbeit" rief mich an um mich über die folgenden Beschlüsse der Geschäftsleitung der Fa. BLANCO zu informieren:

  • Die Firma BLANCO wird an ihrem Logistikzentrum in Bruchsal bauliche Maßnahmen vornehmen, welche eine Abstrahlung des LED-Lichtes in den Himmel wirksam verhindern. Dies werden im Wesentlichen Abschirmbleche am oberen Gebäuderand sein. Ferner wird geprüft, ob eine leichte Winkelveränderung der LED-Leisten notwendig sein wird. Die Planungen hierfür laufen bereits.
  • Um den im Herbst einsetzenden Vogelzug nicht zu beeinträchtigen, wird die Beleuchtung ab dem 1. September 2008 bis zum Abschluss der oben beschriebenen baulichen Maßnahmen ganz abgeschaltet.
  • In der Zwischenzeit haben wir die Möglichkeit, bei gutem Wetter und einer geplanten Beobachtungsveranstaltung eine Servicenummer im Logistikzentrum anzurufen und eine Abschaltung für diese Nacht zu bewirken.

Wir danken der Geschäftsführung der Firma BLANCO für ihr Entgegenkommen. Auch wenn die geplanten Maßnahmen nun durch unseren Protest einiges kosten werden, so bitten wir dennoch um Verständnis. Es ist im Sinne des Gemeinwohles - nicht nur einiger Sternfreunde - und es ist im Sinne der Natur und des Naturschutzes.

Wir werden die anstehenden Maßnahmen und ihre Auswirkungen beobachtend begleiten.

Montag, der 24. November - geht der Irrsinn jetzt weiter?

manchmal freut man sich im Leben zu früh. Das war jedenfalls mein erster Gedanke, nachdem mich heute ein Telefonanruf des Geschäftsführers der Fa. BLANCO, Hr. Straub erreichte.

Herr Straube kündigte gleich zu Beginn des Gesprächs an, die Beleuchtung der Firmenfassade und (meine Anmerkung - damit des Nachthimmels) wieder aufzunehmen. Bauliche Maßnahmen zur Abschattung bzw. Absorption des über die Gebäudekante hinausstrahlenden Lichtes wurden, entgegen der Versicherungen im August, nicht vorgenommen. Herr Straub begründete dies mit dem Ausfall des Beleuchtungsspezialisten Holper aus Österreich, die die Lichtinstallation vorgenommen hatte und die Eindämmmaßnahmen leiten sollte wegen eines Burnout Syndroms.

Er verwies sogleich darauf, dass das Angebot des "schwarzen Telefons" natürlich weiterhin Bestand hat.
Bei BLANCO hofft man offenbar auf ein kleinmütiges Einlenken der Astronomie-Gemeinde nachdem die zunächst erhitzten Gemüter zwischenzeitlich etwas zur ruhe gekommen sind.

Garniert wurde der Telefonanruf mit einer Einladung an mich zu einem Konzertevent am kommenden Freitag , den 28. November am Firmenhauptsitz in Oberderdingen.

Rolf Kaiser und ich werden uns um 17 Uhr mit Herrn Straub treffen.

Es freut uns, dass die Fa. BLANCO den Dialog sucht, dennoch werde ich unser Interesse an einer nachhaltigen Lösung vehement vertreten. Es gilt dabei auch ein Zeichen für potenzielle Nachahmer zu setzen und den Nachweis zu führen, dass eine rüchsichtslose Lichtimmission in den Nachthimmel nicht durchsetzbar ist - heute nicht und auch nicht in Zukunft!

Freitag, der 28.11.2008 - das Treffen

Um 17 Uhr fanden Rolf Kaiser und ich uns in Oberderdingen am Firmenhauptsitz der Fa. BLANCO ein. Der Geschäftsführer Hr. Straub empfing uns in seinem Büro, wo wir fast eine halbe Stunde lang ein sehr angenehmes Gespräch führten. Man teilte uns mit, dass BLANCO zunächst die Beleuchtung an den Adventswochenenden und in der Sylvesternacht einschalten möchte. Eine Abschirmungsmaßnahme, welche in einem "vernünftigen" Kosten-Nutzen-Verhältnis steht sei noch nicht gefunden, es werde aber weiter danach gesucht. Am allerliebsten wäre es BLANCO indes, wenn man ganz darauf verzichten könne und das "schwarze Telefon" als Dauerlösung genüge.

Wir zeigten Verständnis für das Anliegen der Firma, bestanden aber dennoch auf einer nachhaltigen Lösung des Problems, weil wir Nachahmer fürchten und wir dann in einigen Jahren eine Vielzahl von Unternehmen anrufen müsen, ehe wir unserem Hobby nachgehen können. Dafür zeigte Herr Straub wiederum Verständnis.

Alles in Allem war es ein sehr konstruktives Gespräch, im Laufe dessen auf beiden Seiten einige herrschende Missverständnisse aufgeklärt wurden und eine Atmosphäre des gepflegten Umgangs miteinander geschaffen wurde.

Wir werden also nun an den 4 Advents-Wochenenden immer an den Samstag- und Sonntagabenden die Lichtskulptur über BLANCO erstrahlen sehen. Wir sind indes guter Dinge, dass langfristig eine Lösung gefunden wird, die beiden Seiten gerecht werden kann.
Man überreichte uns eine vorbereitete Pressemitteilung, aus welcher hervorgeht, dass ungeachtet baulicher Maßnahmen die Beleuchtung sowohl im Frühjahr als auch im Spätjahr während der Zeit des Vogelzuges für jeweils 3 Monate aus bleiben soll.

Als Fazit des Treffens ziehe ich für mich, dass beide Seiten an einer konstruktiven Lösung interessiert sind und bis zu deren Umsetzung miteinander anstatt übereinander gesprochen werden muss und wir in BLANCO einen "Gegner" haben, der unsere Bedürfnisse ernst nimmt und sich dialogbereit zeigt.

To be continued ...


Wenn Sie es bis hier hin geschafft haben, dann scheint Ihnen dieses Thema ein wirkliches Anliegen zu sein. Wir würden uns freuen, wenn Sie uns einen Eintrag in unserem Gästebuch hinterließen.

Hier noch ein Link zum Blog von Jan Hattenbach, der dieses Thema sehr schön und zutreffend ausgearbeitet hat. Lesen lohnt sich!!!!

Hören Sie hier das Interview vom 6. August als mp3. Und hier ist noch der Fernsehbeitrag des SWR-Fernsehen mit einem Interview unseres Vorsitzenden Rudolf Woll als mpeg-Datei (5,5 MByte) für den Media-Player oder als flv-Datei (5,7 MByte) für einen Flash-Player (bessere Qualität)

Danke schön und liebe Grüße aus Waghäusel
Wolfgang Stegmüller
(2. Vorsitzender, Schriftführer, Webmaster)